Vita: die lange Version
Wo soll ich beginnen? Am besten am Beginn meiner Musikerlaufbahn. Die begann nämlich mit einem Ende. Denn nach dem Musikstudium hatte ich keine Lust mehr, Musik zu machen. Ich begann also eine Art Studium Generale an der Uni in München und dann in Tübingen. Mein Geld verdiente ich in vielen verschiedenen Jobs bis ich eine Daueranstellung als Hilfshausmeister und Garderobier bekam. Die Rockformation Neckarfront lockte mich wieder in die Musikszene zurück.
Foto: Di Paolo
Nach Tübingen verschlug es mich, weil in einer WG ein Zimmer frei war. Ab 1982 wirkte ich am Landestheater Tübingen als Theatermusiker. Doch bald stellte ich mich mit Kindermusicals auf eigene Füße. Seither ist es nicht einfach, den Überblick über meine Aktivitäten zu behalten, zumal ich jetzt auch noch Auftragskompositionen schreibe – wie im Jahre 2000 eine Messe für Chor, Bläser und Kirchenorgel.
So ist es nun einmal: Lauter Nebenjobs ergeben eine Haupttätigkeit. So stellte ich auch Ende der 90er Jahre ein Programm zum 150-jährigen Jubiläum der Revolution von 1848/49 zusammen unter dem Titel „Leute, höret die Geschichte!“; auf der Suche nach zeitgeistigen Liedern und Texten traf ich auf die Drehorgel, die seitdem mein Leben begleitet. Doch es blieb nicht beim Kokettieren mit der Drehorgel als nostalgischer Klangfarbe. Der Drehorgelbauer Wolfgang Brommer und sein Kompagnon Heinz Jäger in Waldkirch, einem traditionellen Zentrum für mechanische Spielwerke, waren auf mich aufmerksam geworden und baten mich um neue Arrangements für dieses Instrument. Seitdem zähle ich mich zu den Modernisten im Drehorgel-Revival. Ich nahm eine CD auf mit eigenen Arrangements von Mozart-Arien und anschließend eine CD „Drehorgel goes Classic“ mit Klavier, Gitarren- und Streichquartett. In meinem Programm „Als das Singen noch geholfen hat“, Texte und Lieder zu Essen, Trinken, Lieben und Verdauen darf die Orgel auch Samba und Swing spielen, auch mit linkshändiger Begleitung auf Klarinette und Akkordeon. Mit der Drehorgel ist das alles möglich. Auch bedeutet das Drehorgelspiel auf der Bühne für mich eine Befreiung. Wenn ich Flöte spiele hänge ich mit den Augen stur an den Noten. Aber hinter der Drehorgel kann ich viel besser mit dem Publikum kommunizieren. Die Wirkung auf der Konzertbühne ist verblüffend und immer wieder sagen die Leute, dass sie es nicht für möglich gehalten hätten, was die Drehorgel im Konzertsaal leisten kann, ob in Amerika mit Klavier (anniversary meeting of MBSI: Music Box Society International), in Japan mit Harfe (International Soka Harp Festival) oder in Europa mit einem Symphonieorchester (Badisches Staatsorchester Karlsruhe).
Zu meinem Wilhelm Busch Programm liefert die Drehorgel die passende Musik ebenso wie zu den Liedern rund um die Sozialgeschichte des deutschen Waldes. Auf der Expo in Japan 2005 durfte ich zusammen mit Orgelbaumeister Wolfgang Brommer einen technisch ausgefuchsten Leierkasten vorführen. Diese Orgel wird nicht nur bekrönt von einem ganzen Arsenal beweglicher Figuren. Über ein mit Handballons und Schläuchen gesteuertes Luftdrucksystem können weitere Mitspieler auf ihr auch Glöckchen, Trommeln und andere Klangerzeuger betätigen. Mir fiel die Aufgabe zu, aus unschuldigen Expo-Zuschauern ein Orchester zu rekrutieren und sie nach einer Probe auf der Bühne zu dirigieren. Zwei Monate später waren wir wieder in Japan, denn dort fand zeitgleich das Deutschlandjahr statt. In diesem Rahmen durfte ich mein Kindermusical „Die Bremer- und andere Stadtmusikanten“ vor Kindergartenkindern vortragen und zwar in Japanischer Sprache, was eine große Herausforderung für mich bedeutete. In diesem Jahr reisen wir nach China (Peking, Shanghai, Nanjing) und Rumänien (Iasi).